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Katholische Theologie


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Hier finden Sie aktuelle Kurzberichte aus dem Fachgebiet "Christliche Sozialwissenschaften" (Sozial- und Umweltethik, Tierethik).

 

 

Ausgezeichnet: Dr. Birgit Hegewald erhielt Urkunde

Gute akademische Lehre muss anerkannt werden. Seit 13 Jahren wird von der Universität Osnabrück der Hans Mühlenhoff-Preis verliehen. Zu den Nominierten im Jahr 2016 gehört Uni-Dozentin Dr. Birgit Hegewald aus der Sozial- und Umweltethik vom Institut für Katholische Theologie. Auf der Festveranstaltung zur Preisverleihung am 30. Juni im Bohnenkamp-Haus im Botanischen Garten konnte sie eine anerkennende Auszeichnung mit einer Urkunde entgegennehmen.

Studierende und Gasthörende hatten Dr. Hegewald vorgeschlagen, weil ihre gut strukturierten Lehrveranstaltungen Wissenschaftstheorie und Lebenspraxis ideal zusammenfügen. Geprägt waren die Seminare von ethischen Fragestellungen zum Abschiednehmen von dieser Welt und Analysen zu spirituellen Sinnfragen zum Leben. Die Lehrinhalte umfassten neue Forschungsergebnisse, zeitgenössische Studien und hermeneutische Untersuchungen. Lebenspraktische Exkursionen ergänzten die Seminargestaltung und bereicherten die akademische Lehre. 

Die Gasthörerinnen und Gasthörer in den Seminaren von Dr. Hegewald ließen es sich nicht nehmen, bei der feierlichen Ehrung präsent zu sein. Sie spendeten ihrer Dozentin in der Festveranstaltung lautstarken Beifall zur Auszeichnung mit einer Urkunde und gratulierten ihr mit einem bunten Blumenstrauß. Anschließend gab es ein gemeinsames Erinnerungsfoto.

(Text: Gasthörer Joachim Prinz. Foto: privat.) Herzliche Gratulation der Gasthörerinnen und Gasthörer an Dr. Birgit Hegewald: (Von links) Marina Kirchkesner, Joachim Prinz, Marlies Schöpper, Elke Buhrtz, Dr. Birgit Hegewald, Dr. Dr. Gerhard Roßbach, Waltraud Feldkämper, (obere Reihe, v. li.) Ursula Thom, Maria Roßbach, Elke Barth.

 

Impressionen von Exkursionen im Sommersemester 2016

Mit unseren Seminaren waren wir unter anderem hier zu Besuch:

Praxis von Bettina Kneissl, Ärztin für Traditionelle Chinesische Medizin, wo es um das Thema "kostbare Lebenszeit" ging. Nach einem Ausflug in die chinesische Philosophie verglich die Medizinerin (im zweiten Bild ganz rechts) das Leben mit einem Fußballspiel, in dessen Verlauf einem so manche freudige und schwierige Ereignisse widerfahren würden. Letztlich sei aber wichtig, dabeizusein und mitspielen zu dürfen.

(Seminar "Wisdom of the Ages", kursleitende Dozentin: Dr. Birgit Hegewald.)

  

Johannislabyrinth, Tai-Chi für Trauernde: Ursula Frühauf (im vierten  Bild ganz rechts), der im Osnabrücker Hospiz die Psychosoziale Leitung und Fachleitung Trauer obliegt, unternahm mit den Teilnehmenden kleine Übungen aus dem Repertoire der chinesischen Kampfkunst, welche innere Kraft, seelisches Gleichgewicht und eine entspannte Körper- und Lebenshaltung fördern soll.

(Seminar "Wisdom of the Ages", kursleitende Dozentin: Dr. Birgit Hegewald.)

 

 

 

  

 

 

Studio "YogaOmline", Diskussion mit Inhaber Ashwani Bhanot (Bildmitte) über den Sinn des Lebens und die spirituelle Hindu-Schrift "Bhagavad Gita": Yoga werde in der westlichen Abwandlung als Selbstzweck aufgefasst, während es in der östlichen Philosophie als Mittel auf dem Weg zu einer achtsamen Lebensweise gelte, frei von äußeren Zwängen durch menschengemachte gesellschaftliche Rollen und Masken. Natürlich gab es auch ein paar leichte Lektionen zum Mitmachen.

(Seminar "Warum wir hier sind", kursleitende Dozentin: Dr. Birgit Hegewald.)

 

Auf Gut Sutthausen haben wir über den ergreifenden Roman und Film „Die Wand“ diskutiert und festgestellt, dass nach Auffassung der Roman-Autorin Marlen Haushofer die Menschheit ein wichtiges Ziel verfehlt habe: Liebe. Ihre Herzen erwärmende Kraft wäre die Lösung wesentlicher Probleme auf dieser Welt gewesen anstelle von Gewalt und Zerstörung.

Zum Glück ist die Perspektive in dem bahnbrechenden päpstlichen Rundschreiben „Laudato si‘“ aus dem Jahr 2015, das wir im Kurs ebenfalls beleuchtet haben, hoffnungsfroher: Die Menschheit müsse schnellstmöglich die dringend gebotene ökologische Umkehr vornehmen und Gerechtigkeit sowohl global als auch gegenüber den kommenden Generationen walten lassen. Noch sei diese entscheidende Korrektur möglich. Eine große Verantwortung hätten Politik und Wirtschaft, Konsumentinnen und Konsumenten, die Kirche und die Gläubigen sowie alle zu einem Umdenken und besseren Handeln fähigen menschlichen Individuen.

Außerdem zog Kursteilnehmerin Beate Barth ihre Mitstudierenden zum Thema „Scheinbar Unmögliches möglich machen“ in ihren Bann. Sie faszinierte mit ihrem autobiographischen Beispiel: vor vielen Jahren völlige Gesundung nach einer zunächst niederschmetternden Diagnose. Dabei spielten die Lebenseinstellung, die unbedingte Überzeugung, genesen zu können, der starke Wille, diese Aufgabe zu bewältigen, und radikale Veränderungen in den eigenen Gewohnheiten eine wichtige Rolle. Menschen seien nicht einfach fremdbestimmte Opfer ihrer Lebensumstände, sondern sie hätten die Macht, Veränderungen zum Besseren herbeizuführen, wenn sie die Kraft dafür aufbringen könnten und sich dabei auf ihr intuitives Wissen um Heilungsmöglichkeiten besinnen würden.

(Seminar "Warum wir hier sind", kursleitende Dozentin: Dr. Birgit Hegewald.)

 

Uni-Seminar „Weisheit der Jahrhunderte“: Lehren für's Leben!

Exkursion zur Seelsorge im Marienhospital Osnabrück (April 2016)

„Was ist Krankenhausseelsorge?“ - so empfing Pfarrer Gerd Robben unsere Studiengruppe im Marienhospital. Zwei Seelsorgerinnen und zwei Seelsorger bilden das Team: Maria Jansen (Gemeindereferentin), Angelika Kampsen (Personalreferentin), Carsten Lehmann (Diakon) und der schon seit 20 Jahren hier arbeitende katholische Pfarrer Gerd Robben als Leiter.

Seelsorge sei ein Prozess, der nicht erst beim Sterben beginne, erläuterte Robben. Sowohl Gesunde als auch junge Menschen bräuchten oftmals ebenfalls Betreuung, teils auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus. „Unsere Aufgaben bestehen im Dasein, Zuhören, ‘Aushalten‘ der Gefühle der oder des Kranken wie Schmerz, Wut oder Trauer, was mit das Schwerste an der Seelsorge ist“ ergänzte Maria Jansen. Patientinnen oder Patienten seien die Regisseurinnen oder Regisseure des Prozesses, bei dem es kein Bewerten in „richtig“ oder „falsch“ gebe.

Pfarrer Robben ezählte, er habe viele Begegnungen als Geschenk und Bereicherung empfunden, wenn sich bei Kranken oder Sterbenden die Sichtweisen auf die Belange des Lebens radikal veränderten, Persönlichkeiten ihre besondere Kraft entfalteten und man mit ihnen und von ihnen lernen konnte. Häufig hätten Seelsorgende in Familien, in denen ein Gespräch vom nahen Tod zunächst nicht möglich erscheine, zu vermitteln, so dass ein offener Austausch zustande käme, was oft eine Befreiung für die Beteiligten bedeuten würde.

Die Dauer der Dienstzeit stehe täglich jeweils erst am Abend fest. Mit seiner Bemerkung: „Von Montag bis Freitagnachmittag ist hier die Hölle los“ entlockte der katholische Pfarrer nicht nur der kursleitenden Dozentin, Dr. Birgit Hegewald, ein Schmunzeln.

Die Seelsorgenden betonten, man müsse immer auch gut auf sich selbst Acht geben. Nur dann könne man auch gut für andere da sein. Hilfreich seien das kollegiale Team, ein stabiles persönliches Umfeld und die Familie, außerdem die Fähigkeit, berufliche Erlebnisse nicht zu sehr ins eigene Privatleben mitzunehmen, und Supervision zur Reflexion der gemachten Erfahrungen.

Auf die Frage der Dozentin, was sie uns Studierenden als Erkenntnisse mit auf den Weg geben könnten, erwiderten Pfarrer Robben und sein Team spontan: „Soziale Beziehungen pflegen, wichtige Dinge rechtzeitig ansprechen, und vor allem, das Leben nicht vertagen, sondern im Hier und Jetzt leben!“ Begleitet von diesen weisen Worten verließen wir tief beeindruckt und berührt das Krankenhaus und nahmen bewusst und achtsam den Sonnenschein wahr, der uns draußen empfing.

          (Text: Gasthörerinnen Beate Barth & Gisela Fischer; Foto: Uni OS / MHO.)

 

Uni-Exkursion ins Marienhospital: Das Sterben ins Leben holen  

Prof. Dr. Hardinghaus: „Fürsorge und Palliativmedizin annehmen“

Über Jahrhunderte haben Generationen von Menschen unerschöpfliche Weisheiten zum Sinn des Lebens entwickelt. Ethik-Dozentin Dr. Birgit Hegewald vom Institut für Katholische Theologie der Universität Osnabrück bietet im Sommersemester 2016 für Studierende und Gasthörerende eine Lehrveranstaltung zu elementaren Fragestellungen an: „,Wisdom of the Ages'. Die Weisheit der Jahrhunderte: Leben und Abschiednehmen von dieser Welt“. Die erste Exkursion führte die Studiengruppe ins Marienhospital Osnabrück zum Ärztlichen Leiter der Palliativstation, Prof. Dr. Hardinghaus, und der Stationsärztin Frau Hegge.

Palliativmedizin schrittweise etabliert

Winfried Hardinghaus, zugleich Direktor des Zentrums für Palliativmedizin der Niels-Stensen-Kliniken und Vorsitzender des Deutschen Hospiz– und PalliativVerbandes e.V. und der Deutschen Hospiz-und PalliativStiftung, geht es mit seiner Kollegin Hegge um das Prinzip, das Sterben zurück ins Leben zu holen: „Wir haben anfangs nicht gleich eine komplette Palliativstation eröffnet, sondern erst eine kleine Einheit als Hospiz-Zimmer mit Wohnbereich für Angehörige eingerichtet. Wir wollen Probleme lindern und die Lebensqualität verbessern.“

Fast alle Menschen möchten zu Hause sterben

Viele Menschen sind angesichts der Themen Sterben, Tod und Trauer verunsichert und ängstlich. Hospize und Palliativmedizin wollen den Abschied von dieser Welt erträglicher machen. "Wir können Menschen am Ende ihres Lebens so gut begleiten, dass sie weitgehend schmerzfrei sind", informiert Prof. Hardinghaus die Studierenden. Fürsorge anzunehmen bedeute nicht, die eigene Autonomie aufzugeben. Fast alle Menschen möchten zu Hause sterben. Faktisch jedoch gehen 45 % in Krankenhäusern aus diesem Leben, 25 % in Pflegeheimen, 25 % im eigenen Zuhause, 3 % auf den Palliativstationen, 2 % im Hospiz.

Lebensbegleitung anstatt Sterbehilfe

„Wichtig ist, dass wir die Menschen in ihrer Individualität erkennen und sie, auch im Kreis ihrer Angehörigen, auf einem würdevollen Weg begleiten können. Wir setzen damit auch ein Zeichen gegen die Bestrebungen zu aktiver Sterbehilfe." Hardinghaus versteht die Auseinandersetzung mit Krankheit und Sterblichkeit als eine mitmenschlich-solidarische Verpflichtung und gesellschaftspolitische Herausforderung. Damit verbunden sind ethische und rechtliche Fragen. Das Thema Tod müsse enttabuisiert werden. Jeder Mensch sollte eine aktuelle Patient/-inn/-enverfügung haben, die spätestens alle zwei Jahre erneuert werden sollte. Der Osnabrücker Palliativmedizin gehe es „um den mutmaßlichen Willen der Patientinnen und Patienten. Entsprechend werden die lebensverlängernden Maßnahmen angesetzt. Ein leidvolles Lebensende muss nicht sein“.

Eine (nicht nur) christliche Herausforderung

In der anschließenden Diskussion fiel es den Studierenden und Gasthörenden teils schwer, Sterben als Teil des Lebens in Worte zu kleiden. Unidozentin Dr. Birgit Hegewald fasste zusammen: „Hospize und Palliativmedizin leisten wichtige und segensreiche Beiträge zur Achtung der menschlichen Würde auf dem Weg, der aus diesem Leben führt“, ehe die Gruppe beeindruckt und nachdenklich die Klinik verließ.

                                           (Text: Gasthörer Joachim Prinz; Fotos: Uni OS/MHO.)

 

 

Im Eselgalopp durch's Nettetal: Tierethik-Exkursion mit Flauschfaktor!

Im April 2016 trafen wir uns zu einem besonderen Ausflug bei Yvonne Kaufmann in Osnabrück/Dodesheide. Die fröhliche Begleittiere-Besitzerin hat in Osnabrück Sozialpädagogik studiert und anschließend eine Ausbildung in tiergestützter Therapie absolviert. Zu ihren tierlichen „Kollegen“ gehören: die beiden Zwergesel Charly und Max sowie das Therapiepferd Jonas.

Unsere Aufgabe war es, die Esel zu bürsten, ihnen die Hufe auszukratzen und dabei auf die Signale und Reaktionen der Tiere zu achten und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Anschließend bekamen Charly und Max ihre riesig wirkenden Satteltaschen aufgelegt, damit sie (unseren) Proviant tragen konnten, und los ging’s in das schöne Nettetal! Jeweils zwei Personen führten ein Eselchen (oder war es umgekehrt?). Die Huftiere haben einen eigenwilligen, pfiffigen Charakter. Sie wollen mit Wertschätzung und Respekt behandelt werden - wer von uns möchte das nicht.

Die Einsatzgebiete für tiergestützte Begleitung sind vielfältig: Kindergeburtstage, Besuche von Kindergärten oder Wohneinrichtungen für ältere Menschen, denen damit eine Freude gemacht und reichlich gemeinsamer Gesprächsstoff geliefert wird, therapeutisches Pferdereiten, zum Beispiel für Menschen mit Koordinationsstörungen, oder eben Eseltrekking aus Spaß an der Bewegung in der Natur. Yvonne legt Wert darauf, dass es ihren vierbeinigen Kollegen gut geht. Sie ist immer dabei und leiht die Tiere nicht einfach aus.

Wir haben uns dem Esel-Tempo angepasst, mal ruhig, mal flott, und es wurden zwischendurch  - für die Menschen nicht ganz freiwillig - Pausen zum Grasfressen (der Esel) eingelegt. Nach einer guten Stunde haben wir dann alle gerastet, und Charly und Max konnten sich mit uns zusammen ausruhen.

Wieder beim Stall angekommen, wurden die (inzwischen leichter gewordenen) Satteltaschen abgenommen, und das etwas zerzauste Zottelfell der Tiere wurde noch einmal ordentlich von vielen Händen gleichzeitig gebürstet. Die kleinen Hufe wurden erneut gereinigt, um unterwegs eventuell eingetretene Steinchen zu entfernen.

Zum Schluss haben wir uns bei Charly, Max und Yvonne für die schöne Wanderung und die lehrreichen praktischen Erfahrungen im Umgang mit den geduldigen, sympathischen Vierbeinern herzlich bedankt.

(Text & Fotos: Elke Buhrtz, Birgit Hegewald / Universität Osnabrück.)

 

 

Highlight im Tierethik-Seminar: Exkursion in den Osnabrücker Zoo!

Ein spannender Besuch bei Thomas Scheibe, Tierarzt im Zoo Osnabrück.

Zunächst gingen wir in den internen Bereich zu den Nacktmullen (kaum behaarte, in der Wüste lebende Nagetiere). Sie leben in Gruppen in Höhlen, die durch Gänge miteinander verbunden sind. Der Zoo versucht, für Tiere ein möglichst den natürlichen Lebensräumen entsprechendes Umfeld zu schaffen (Umgebung, Ernährung, Aufzucht von Nachwuchs).

Artenschutz ist nicht immer gleichbedeutend mit Tierschutz: Herr Scheibe, der früher in einer Vogelstation gearbeitet hat, konnte aus Erfahrung spezielle Beispiele nennen. Manchmal werden Tiere gerettet um den Preis, dass sie hinterher nicht mehr in ihrem natürlichen Umfeld leben können. Ein Greifvogel, der eine Verletzung an einem Flügel hatte, die medizinisch versorgt wurde und verheilte, konnte sich danach trotzdem nicht mehr selbstständig in der freien Natur ernähren und musste in einer Volière bleiben.

Von den Giraffen wurde im letzten Jahr eine aufgrund einer Arthrose (chronische Gelenkentzündung) eingeschläfert. Wir diskutierten das brisante Thema "Töten von Tieren".

Weiter ging es zu den Löwen: fünf männliche und ein weibliches Tier, wobei nur einer eine Mähne trägt. Die anderen Kater sind kastriert und daher hormonell bedingt ohne Mähne. Da es teilweise schwierig ist, Jungtiere zu behalten oder an andere Zoos abzugeben, und um Inzucht zu vermeiden, wird die Fortpflanzung bei einigen Tierarten stark reglementiert. Sogenannte Handaufzuchten sollten nach Möglichkeit unterbleiben. Von Menschenhand aufgezogene Tiere werden fehlgeprägt, können arteigenes Verhalten nicht hinreichend erlernen und bekommen oft Probleme mit ihren Artgenossen.

Elefantenhaus: Derzeit sind drei männliche Tiere vorhanden. Für Elefantennachwuchs müsste der Zoo eine Gruppe weiblicher Tiere dazu holen, weil sich bei den Elefanten nicht nur die Mütter, sondern auch andere weibliche Tiere gemeinsam um die Jungtiere kümmern und für eine gegebenenfalls unerfahrene Mutter Vorbilder sein können.

Fütterung: Herr Scheibe erläuterte, dass es bei Besucherinnen und Besuchern zu erschrockenen Reaktionen führen würde, wenn sie Teile von toten Tieren, die verfüttert werden, in den Gehegen erkennen würden. Die Herkunft von Fleisch möchten sich viele Menschen nicht gern ins Bewusstsein rufen.

Zuletzt besuchten wir die zootierärztliche Praxis und bekamen Informationen über Fernbetäubungswaffen und Injektionsbestecke. Die Arzneimittel sind teilweise sehr teuer und für Menschen sehr gefährlich. Für die Betäubung eines Elefanten beispielsweise muss hoch konzentriert dosiert werden. Anschließend konnten die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer mit einem Blasrohr ein Plüsch-Flusspferd „betäuben“.

Für die lehrreichen Erfahrungen, seinen Zeitaufwand und die freundliche und spannende Führung hinter die Kulissen seines ungewöhnlichen Arbeitsplatzes bedankten sich dei Teilnehmenden bei Thomas Scheibe sehr herzlich.

(Fotos und Text: Gasthörerin Elke Buhrtz, Dozentin Dr. Birgit Hegewald / Universität Osnabrück.)

 

 

Jazz goes Church Music - ein spektakuläres musikalisch-theologisches Klangerlebnis!

Kirchenmusik einmal ganz anders: Mehrere hundert Besucherinnen und Besucher erfreuten sich am Samstag, den 2. April 2016, in der fast vollständig besetzten Herz Jesu Kirche in Osnabrück an einer besonderen Kombination aus zeitgemäßem Jazz mit moderner Chormusik - ein Highlight in der Jazz- und Chorlandschaft! Bistum und Universität Osnabrück machten dieses außergewöhnliche musikalisch-theologische Klangerlebnis gemeinsam möglich. Es ist Teil einer Crossover-Konzertreihe mit dem vielfach preisgekrönten Quilisma Jugendchor und dem JazzArt Niedersachsen-Ensemble.

Zu hören war unter anderem das "Gebet für unsere Erde" („Prayer for Our Earth“) aus dem bahnbrechenden päpstlichen Rundschreiben "Laudato si’" in der Vertonung von Peter Witte, Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Universität Osnabrück. "Laudato si’", veröffentlicht im Juni 2015, ist ein Meilenstein kirchlicher Sozialverkündigung. Papst Franziskus kritisiert darin schwere Missstände und fordert zu erheblich mehr Sozial- und Umweltengagement und zu drastischen Veränderungen im Denken und praktischen Handeln auf. Die „Pflichten gegenüber der Natur und dem Schöpfer“ sind für ihn zentrale Bestandteile des christlichen Glaubens.

Die theologischen Hintergründe zu den erlesenen musikalischen Kompositionen wurden beleuchtet von Prof. Dr. Andreas Lienkamp, Institut für Katholische Theologie der Universität Osnabrück (Fachgebiet Christliche Sozialwissenschaften / Sozial- und Umweltethik, Tierethik). Er sprach von „der göttlichen Gegenwart in allen Geschöpfen und von der Kraft der Liebe, die nötig ist, um das Leben und die Schönheit der Natur zu hüten, um friedvoll und geschwisterlich zu leben, ohne anderen zu schaden“. Der Papst betone wie sein Namenspatron Franz von Assisi die tiefe Verbundenheit mit allen Geschöpfen. Das päpstliche "Gebet für unsere Erde" münde in die Bitte um Ermutigung „in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden”.

Diözesankirchenmusikdirektor Martin Tigges und Kai Lünnemann, Beauftragter für Popularkirchenmusik im Bistum Osnabrück, freuen sich über die rundum gelungene Veranstaltung: Der Aufwand hat sich gelohnt und hielt sich dank der freundlichen Spendenbereitschaft zahlreicher Besucherinnen und Besucher finanziell im Rahmen.

Kompositionen für Chor und Jazzensemble von Bardo Henning, Peter Witte, Oliver Gies und Ulli Orth. Musikalische Gesamtleitung: Keno Weber. Projektleitung: Wolfgang Würriehausen. Theologische Begleitung: Prof. Dr. Andreas Lienkamp, Dr. Martina Kreidler-Kos.

 (Text und Fotos: Dr. Birgit Hegewald / Universität Osnabrück.)

 

 

"Laudato si'": Diskussion in Meppen am 18.02.2016.

Meppener Tagespost (24.02.2016):

ENZYKLIKA IM MITTELPUNKT

Diskussion zu Papst Franziskus im Meppener Marianum

Meppen. Was vor einigen Jahren noch unmöglich erschien, ist während des US- Präsidentschaftswahlkampfs geschehen: Papst Franziskus warf dem Kandidaten der Republikaner, Donald Trump, vor, dieser sei kein Christ. Auch mit seiner Enzyklika „Laudato Si'“ (Gelobt seist Du) hat sich das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche nicht nur Freunde gemacht. Franziskus machte darin im Mai 2015 die Sorgen über den Zustand der Welt öffentlich. Um diese Verlautbarungen näher zu beleuchten, hielt Professor Andreas Lienkamp von der Universität Osnabrück ein beachtenswertes Referat im Gymnasium Marianum. [...]

Während der Verhandlungen des Klimagipfels in Paris, schilderte Lienkamp, habe der Leiter der nicaraguanischen Delegation – der eigentlich dem Papier nicht hatte zustimmen wollen, da ihm die Pflichten der Industriestaaten und die Rechte der Armen zu vage gewesen seien – einen Anruf aus dem Büro des Erzbischofs von Managua erhalten. Dieser habe im Auftrag des Papstes eindringlich dazu aufgefordert, die Blockadehaltung aufzugeben. Kurz darauf verkündete Frankreichs Außenminister Fabius das Abkommen als beschlossen. Andreas Lienkamp machte in seinen Ausführungen deutlich, dass Papst Franziskus mit dem 171 Seiten starken Rundschreiben (http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/586335/das-wichtigste-zur-neuen-enzyklikavon-papst-franziskus) deutlich machen wolle, dass ihn „die Sorge um das gemeinsame Haus“, das ist auch der Untertitel des Werks, umtreibe.

Menschenrecht auf Wasser

Franziskus, so Lienkamp, habe sich mit diesem Schriftstück an alle Menschen guten Willens gewandt und damit ein aufrüttelndes, aber auch ermutigendes Werk geschaffen. „Es ist eine Öko- und eine Sozialenzyklika“, machte der Redner deutlich, dass der Papst hiermit eine neue universelle Solidarität einfordere. Unter anderem spiele das Menschenrecht auf Wasser eine zentrale Rolle, da jeder Mensch dieses Element benötigt, um überleben zu können. „Alles ist mit allem verbunden“, machte der Dozent auf einen der zentralen Sätze in der Enzyklika aufmerksam. „Der Papst kritisiert vor allen Dingen das Machtmodell der Finanzakteure und der Technokraten, aber er lädt ein, zu einem anderen Verständnis von Wirtschaft und Fortschritt zu gelangen.“

Dazu komme, jeden betreffend, die heutige Wegwerfkultur. Franziskus zeige aber nicht nur Symptome auf, sondern verweise auch auf die Ursachen und biete zwei Leitlinien für Dialog und Aktion an. „Er zeigt Wege auf, aus der Spirale der Selbstzerstörung herauszukommen, da die ökologische Zerstörung letztendlich in einer solchen der Menschheit mündet.“ Der Papst kritisiere, dass der Mensch die Natur in einen „bloßen Gebrauchsgegenstand, in ein Objekt der Herrschaft“ verwandele.

Verschwenden von Lebensmitteln

Lienkamp erinnerte an viele afrikanische Regionen, denen übelst mitgespielt worden sei, und an Teile des Südpazifiks, denen „das Wasser quasi bis zum Halse steht“. Der Papst ordne auch das Verschwenden von Lebensmitteln so ein, dass diese dadurch vom Tisch der Armen geraubt werden. „Menschen müssen sich auf den Weg machen, ihre Heimatländer verlassen, weil sie keine Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben vorfinden“, resümierte Lienkamp, wohl auch mit Blick auf die aktuelle Situation. Zusammengenommen sei dies ein sozialer Niedergang, wie ihn der Planet schon lange nicht mehr erlebt habe, so der Theologe, der interessanterweise auch das „Recht des Menschen auf Glück“ erwähnte.

Zur Überraschung der Zuhörer zeigte der Referent auf, dass genau dieses vor mehr als 200 Jahren in der US-amerikanischen Verfassung niedergeschrieben wurde. Insgesamt, so fordere der Papst, erhalte der Mensch die Erde nur als Leihgabe, die jede Generation an die nächste, möglichst „nur mit einem kleinen Fußabdruck“, weiter geben solle.

In der abschließenden Diskussion machte eine Zuhörerin darauf aufmerksam, dass der Wohlstand im Emsland auch der Wirtschaft zu verdanken sei, die Erdöl gefördert oder Torf abgebaut habe. Ein weiterer Zuhörer erinnerte an die großen Schiffe, die die Meyer Werft verließen und sicher nicht ökologisch als komplett sauber anzusehen seien. Auf der anderen Seite dürfe niemand vergessen, dass 4000 Menschen dadurch Arbeit fänden.

 

 Ein Artikel von Heiner Harnack