Universität Osnabrück, FB 3

Katholische Theologie


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Was ist Kirchengeschichte?

Eine theologische Disziplin

und zwar aufgrund ihres Gegenstandes: Wachstum und Entfaltung der Kirche in Zeit und Raum, das ist der Gegenstand der Kirchengeschichte, wobei die Kirche vom gläubigen Menschen nicht als ein rein innerweltliches, religionsgeschichtliches Phänomen betrachtet wird, sondern vielmehr als Stiftung Jesu Christi, die seine Sendung fortführt und stets aufs Neue in die Welt hinein umzusetzen versucht. Daher bezieht der gläubige Kirchenhistoriker in der Bewertung der Geschichte der Kirche insgesamt eine andere Position als der nichtgläubige. Denn der Kirchenhistoriker darf und soll sich nach gewissenhafter Erhebung des jeweiligen historischen Befundes fragen: Was ist hieran Konkretisierung des Evangeliums, und was ist objektiv als Verfälschung und als Abfall vom Evangelium anzusehen? Diese Bewertung ist allerdings nicht anachronistisch vom heutigen Standpunkt aus vorzunehmen, sondern im Kontext der betreffenden Zeit, ihrer Möglichkeiten und Grenzen. Hierdurch ist es der Kirchengeschichte möglich, Fehlentwicklungen, Verdunklungen des Evangeliums oder folgenschwere geschichtliche Versäumnisse herauszustellen und erforderlichenfalls als Korrektiv zu fungieren gegenüber anderen theologischen Disziplinen.

mit historisch-kritischer Methode

Damit ist die Methode der Kirchengeschichte die gleiche wie in der sonstigen Geschichte (Profangeschichte), d.h. die Kirchengeschichte kann nur etwas aussagen, wenn ein Geschehen Spuren in Form von schriftlichen, monumentalen oder mündlichen Quellen hinterlassen hat. Diese Quellen müssen aufgefunden, auf ihre Echtheit geprüft, in gesicherten Texten herausgegeben, ggf. in zuverlässigen Übersetzungen zugänglich gemacht, auf ihren historischen Gehalt hin untersucht und sorgfältig interpretiert werden. Diese Quellenarbeit ist die ursprüngliche und eigentliche Aufgabe jedes Historikers und damit auch des Kirchenhistorikers.

Wozu braucht man Kirchengeschichte?

Vieles, was bis heute die Gesellschaft und jeden Einzelnen prägt, ist nicht zu verstehen ohne die kirchengeschichtlichen Wurzeln, und vieles, was heute im Gespräch ist, kann nur sinnvoll diskutiert werden mit einem differenzierten Wissen über die Vergangenheit – und zwar nicht nur, wenn es um die Kirche als Organisation oder um die katholische Lehre geht; vielmehr stößt man auch weit darüber hinaus auf die heutzutage oft unterschätzte gesellschaftlich-kulturelle Wirkmächtigkeit von zwei Jahrtausenden Christentum. Daß die Kirchengeschichte beim Thema Christentum unverzichtbar ist, hat jedoch noch einen tieferen Grund: Die christliche Religion ist von ihren Ursprüngen her geschichtlich vermittelt, oder anders gesagt: Die Offenbarung Gottes vollzieht sich im Medium der Geschichte. „Gott begegnet den Menschen inmitten von (Lebens-)Geschichten und geschichtlichen Erfahrungen. In Jesus Christus wird er gar selbst Mensch. Er tritt herein in Raum und Zeit und macht nicht nur Geschichte, sondern erleidet sie in letzter Konsequenz. Damit erscheint der scheinbar zufällige und richtungslose Lauf der Weltgeschichte in neuem Licht.“ (Manfred Sitzmann / Christian Weber)

Die Kirchengeschichte ist also nicht das Kuriositäten- und Antiquitätenkabinett der Kirche, sondern trägt ganz wesentlich zu ihrem Selbstverständnis bei und ist daher ein wichtiger Bestandteil der Lehre von der Kirche, der Ekklesiologie.

Jeder Theologe braucht Kirchengeschichte!

... und nicht zuletzt: Kirchengeschichte macht Freude und kann überaus spannend sein!!!